Startseite | Impressum | Kontakt

Meditation in Zeiten des Corona Virus

Liebe Freunde, auch unsere Meditations-Arbeit ist natürlich nicht vom Corona Virus verschont geblieben. Unsere beiden Meditationsgruppen haben am 08. März bzw. 10. März zuletzt stattgefunden und sind bis auf weiteres nun abgesagt. Wann wir uns wieder zu Meditation treffen können ist ungewiss, aber es wird sicher Wochen dauern, wahrscheinlich sogar Monate.

Innerhalb von wenigen Tagen hat sich unser gesamtes Leben gewandelt. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Noch vor kurzem haben wir unsere Zuneigung und Mitmenschlichkeit in Umarmungen ausgedrückt und zwischenmenschliche Nähe hat uns getröstet. Jetzt müssen wir unsere Mitmenschlichkeit und Verantwortung für andere dadurch ausdrücken, dass wir größtmöglich auf Distanz gehen. Genügsamkeit ist angesagt. Ein Telefongespräch oder ein Videomeeting muss reichen, um Nähe und Verbundenheit auszudrücken. Zusammen zu meditieren, was uns so viel leichter fällt als uns alleine still hinzusetzen, geht nicht mehr.

Meine und vermutlich auch Eure Sorgen sind von Tag zu Tag gewachsen. Werden wir bald schwer erkranken? Wie wird es unseren Liebsten ergehen? Werden wir schon bald arbeitslos sein, und mittellos?

Keiner kann uns diese Fragen derzeit beantworten. Wie sollen wir mit dieser Situation umgehen? Jetzt wo ich hier sitze und die Zeilen schreibe, ist mir klar, dass ich wenig gute Ratschläge für euch oder mich selbst habe, es sogar vermessen finde, Ratschläge zu geben.

Was ich jetzt gerade tue ist, einen Moment inne zu halten, zu schauen und gewahr zu werden, was gerade in mir und um mich herum vorgeht. Nichtwissen, was man ich soll, ist mein Beginn von Meditation. Mein Blick fällt aus dem Fenster, auf die alte Eiche, in der zwei Krähen sitzen, die von der Abendsonne angeschienen werden. Dahinter ein intensiv blauer Himmel. Kein Wind weht, die kahlen Zweige stehen still. Ein friedlicher Moment, der Atem fließt ein und aus und der Gedankenstrom ist gerade jetzt zur Ruhe gekommen. …….

Da sind die Gedanken wieder und mir wird klar, wie ruhig es geworden ist. Die geplanten Aktivitäten sind alle abgesagt. Selbst bei der Arbeit, die jetzt im Home Office oder allein in meinem Büro am Computer stattfindet, ist mehr Ruhe eingekehrt, als ich sie je dort erlebt hätte. Ist das gespenstische Ruhe? Wir können dem nachlauschen. Vielleicht macht uns diese Ruhe konfus, vielleicht gibt sie uns aber auch eine Chance zu uns zu kommen und Klarheit zu gewinnen. Wenn sich statt Panik Klarheit einstellt, überträgt sich das vielleicht auch auf unsere Mitmenschen. Auch wenn wir sie jetzt nicht in den Arm nehmen können, können wir uns zulächeln, einen freundlichen Anruf tätigen, oder in Worten teilen, was wir gerade empfinden.

Nähe und Verbundenheit hat mehr mit unserer eigenen Klarheit und Offenheit zu tun, als mit körperlicher Nähe oder Distanz. In Momenten einfachen Gewahrseins, sind wir nicht getrennt voneinander, wie weit wir auch räumlich voneinander entfernt sein mögen.

In dieser Zeit extremer Veränderungen und starker Verunsicherung wünsche ich uns allen Momente, in denen unser Chaos im Kopf ruhig wird und sich die trüben Fluten einmal klären. Auch wenn das keine einzige Frage beantwortet, hilft uns das, besonnen zu handeln und den Kontakt zu unseren Mitmenschen, zur Natur und zu uns selbst, nicht zu verlieren.

Inzwischen ist die Dämmerung hereingebrochen, die Krähen sind davon geflogen und eine schwarze Baumsilhouette zeichnet sich vor blaugrauem Hintergrund ab. Alles ist im ständigen Wandel.